ATHENA: Inklusion und Exklusion von Migrantinnen in Südtirol

ATHENA
Inklusion und Exklusion von Migrantinnen in Südtirol

Abschließende Bemerkungen, kritische Bereiche und Interventionsmöglichkeiten

1. Abschließende Bemerkungen

Diese Bemerkungen sind in einem sehr synthetischen Stil, den es noch zu verfeinern gilt, verfasst worden, vor allem deswegen, weil die offenen Fragen am Ende dieser Untersuchung noch vielfältig sind und genauer betrachtet werden müssen. Es geht also hier vornehmlich nicht darum, abzuschließen, sondern Arbeitsweisen aufzuzeigen, die noch ausgelotet werden müssen. Aus der Analyse der Migrationsprozesse, der gesellschaftlichen und Berufs bezogenen Rahmenbedingungen für ausländische Frauen, der Bildungsmöglichkeiten und der sozialen Unterstützung, sind einige Merkmale der lokalen Gesellschaftsstruktur hervorgegangen, und zum Teil ist auch die Position, welche die Gesellschaft in Bezug auf die Einwanderung einnimmt. Es sind einige positive Seiten zum Vorschein gekommen (ein dynamischer Arbeitsmarkt, eine hohe Lebensqualität, ein gutes Funktionieren der Verwaltung, eine geregelte und sichere Umgebung) und einige negative (die Berufs bezogene Abschottung der autochthonen Frauen und die Ethnisierung der Arbeit der Einwanderer; eine starke Institutionalisierung der gesellschaftlichen Räume; eine ausgeprägte Verschlossenheit).

Dieses "Chiaorscuro" taucht ganz klar aus den Erzählungen der ausländischen Frauen auf, die in Südtirol einen Kontext erkennen, der von zwei Merkmalen gekennzeichnet wird: Sicherheit, Zweisprachigkeit. In Bezug auf das erste Merkmal geben die ausländischen Frauen in ihren Erzählungen ein positives Bild von Bozen und Südtirol wider, indem sie hervorheben, dass es eine Gegend mit Regeln ist, wo die "Dinge funktionieren", die Dienstleistungen nicht fehlen (auch wenn sie im Augenblick des Zugangs als Ausländerinnen bezeichnet werden), es Arbeit gibt, die Städte ordentlichen und ruhig sind. Alles wichtige Faktoren, da es sich ja um die Einwanderung von Frauen handelt (was die Anwesenheit von Kindern impliziert).Was den zweiten Punkt anbelangt, so erscheint es den ausländischen Frauen ganz klar, dass dei Zweisprachigkeit zentral ist zum Funktionieren des lokalen Gesellschaftssystems ist, wobei die sprachlich - gesellschaftlichen Differenzen für sie sichtbar und spürbar sind.

Es handelt sich um zwei Elemente, die den ausländischen Frauen als objektiv gegeben erscheinen; in den Berichten geben sie nichts anderes als den Zustand der gesellschaftlichen Realität wieder, in ihnen werden die Kennzeichen und Probleme der Südtiroler Gesellschaft wie von einem Fenster zur Welt aus gesehen. Neben der Fassade, die ihnen bei der Ankunft präsentiert wird, erscheint nach einer genaueren Betrachtung der Berichte, dass gesellschaftliche Ordnung und die saubere Umwelt, das gute Funktionieren der Verwaltung, ein sehr hohes Maß an gesellschaftlicher Normierung und Institutionalisierung der gesellschaftlichen Bereiche mit sich bringt. Auf diese Weise tritt hervor, dass die Landesverwaltung wie eine ethnisierender Überbau erlebt wird, dass die normierte Umgebung ein Gefühl des ständigen Überwacht Seins und Geprüft Werdens mit sich bringt, das die sprachlich - gemeinschaftliche Differenzierung mehr als eine Ressource und ein Reichtum eher wie eine diskriminierende Hürde wahrgenommen wird. Besonders im Hinblick auf den letzten Punkt haben wir Schwierigkeiten zwischen den interviewten Frauen feststellen können, weil nicht klar ist, welcher der Weg zur Integration in eine Gesellschaft ist, in der es diese objektiven Differenzierungserscheinungen gibt. Die Widerspiegelung (Rückfall, Widerhall, Niederfall) dieser Differenzierungserscheinungen auf die Einwanderung lässt die positiven Elemente der Südtiroler Realität verblassen, so dass auf die Einwanderer nur die Schattenseiten übertragen werden: Soziale Kontrolle, übermäßige Institutionalisierung und Ethnisierung.

Zur Ethnisierung muss noch angemerkt werden, dass die Möglichkeit besteht, dass, aufgrund der Gewohnheit der lokalen Gesellschaft alles unter den Begriff Minderheit zu verstehen und die geschichtlichen - sprachlichen Unterschiede zu institutionalisieren durch die Gründung von Gemeinschaften, die Einwanderer auch einem Prozess der Ethnisierung ausgesetzt werden könnten - der weder in seinen Ausprägungen noch im Ausgang vorhersehbar ist. Die Untersuchung hat, neben vielen Ergebnissen, auch neue Fragen aufgeworfen: welcher ist der Platz der Einwanderer innerhalb eines gesellschaftlichen Organisationsmodells, welches auf die sprachlichen Minderheiten und den "ethnischen Käfigen / Ghettos" gründet? Gibt es eine öffentliche Diskussion darüber, in welche geschichtlich - sprachliche (italienisch, deutsch, ladinisch) Schiene sich Einwanderer einreihen, eingereiht werden? Gibt es eine vierte Schiene für die Einwanderer? Und wenn ja, nach welchen Kriterien wird vorgegangen?

2. Kritische Bereiche und Interventionsmöglichkeiten

Die qualitative Analyse hat die unterschiedlichen Facetten, aus denen das tägliche Leben der ausländischen Frauen besteht, aufgezeigt: die Arbeit, die Familie, die strukturierten und unstrukturierten gesellschaftlichen Beziehungsnetze. Letztere bestimmen den Bereich der Geselligkeit, der Gespräche, des Zusammenlebens. Bei der Betrachtung im Detail wurde auch auf die Frage der Fortbildung besonders geachtet. Der Weiterbildungsbedarf der ausländischen Frauen besteht nicht nur in Bezug auf die Arbeitseingliederung, sie betreffen im Gegenteil unterschiedliche Aspekte ihres Lebens und unterschiedliche Ebenen der Südtiroler Gesellschaft. Die Antwort auf diesen Bedarf sollte sich dem Konzept des Empowerment anlehnen, ausgeweitet aber vom eingeschränkten Wirkkreis der Ausbildung von Arbeitskraft in den sozialen Bereich, einen erweiterten Bereich. Es ist dies eine Antwort begründet auf die Anerkennung der Person als Subjekt im Bildungsbereich, eine Person, die in einem ständigen Bildungs- und Lernprozess steht (lifelong learning).

Dieser Ansatz erlaubt es, Fortbildung in eine multikulturelle Gesellschaft einzubinden und so die Effizienz zu sichern. Sie steht weiters in engem Zusammenhang mit dem lokalen Kontext, der sich auszeichnet durch ein breites Spektrum an Angeboten unter dem Titel "Lebenslanges Lernen für Erwachsene", unterstützt von der Provinz Bozen und im Besonderen von der Stadt Bozen in Bezug auf die Einwanderer. Der Ansatz des lifelong learning betrifft aber nur einen Teil, wenn auch wichtigen, des methodischen Ansatzes in der Frage des Bildungsbedarfs und unterlässt den Aspekt der Information und Meinungsbildung, der sich öffentlich mit den Problemen der Ethnisierung und der Diskriminierung, sowie mit generellen Fragen zu den Rechten auseinandersetzt. Dieses Problem hat anscheinend eine starke geschlechtsspezifische Komponente, wie die Initiative zur Bekämpfung der Diskriminierung gegenüber Frauen (CEDAW) betont, "es gibt Umstände in denen Diskriminierung ausschließlich oder hauptsächlich Frauen trifft, oder es trifft Frauen auf andere Weise als die Männer". Es sind verschiedene Kategorien an Diskriminierung und an Personen, die davon betroffen sind, identifiziert worden. Unter Bezugnahme auf unsere Untersuchung, können wir sagen, dass in erster Linie Frauen im Reinigungsbereich, allein stehende Frauen mit Kinder und Frauen, die auf die Zusammenführung warten, davon betroffen sind.

Das kurz dargestellte Vorgehen bei der Untersuchung hat folgendes hervorheben wollen und vor allem können:

Die kritischen Situationen und die Unterschiede weisen verschiedene Ebenen und Ausprägungen auf, die sich auch untereinander überschneiden. Einige betreffen die Einwanderer im allgemeinen, zum Beispiel die gleichzeitige Anwesenheit im Südtiroler Kontext eines institutionalisierten Integrationsmodells (mit der nötigen Transparenz versehen) und gerade deswegen selektiv und regulativ ausgerichtet mit Anteilen an Diskriminierung, andere betreffen im Speziellen ausländische Frauen. Die Untersuchung hebt hervor, dass die ausländischen Frauen in spezifischen Bereichen auf Schwierigkeiten stoßen: die Sprache, die Arbeit, die Gesundheit, die Wohnung und die Familie, die Zeit für sich selbst, die Ethnisierung und die Diskriminierung.

Die Sprache

Wir haben bereits auf den vorhergehenden Seiten gesehen, dass die Sprache, sowohl im Allgemeinen als auch in der lokalen untersuchten Umgebung, eine gesellschaftliche Funktion der Selektion und der Inklusion / Exklusion einnimmt, auch dass die Doppelbelastung in der Arbeit und die Abschottung durch die Arbeit das Erlernen stark beeinträchtigen. Davon ausgehend möchten wir einen Vorschlag für einen Ad Hoc Sprachkurs für Ausländer vorstellen, den Fachkräfte operationalisieren können. Die Kenntnis der Sprache des Herkunftslandes stellt, wie bekannt, nicht nur ein Merkmal der Notwendigkeit / Instrumentalisierung dar, das alle Ebenen des Alltagslebens, Arbeitslebens, alle Beziehungsebenen durchdringt. Sie besitzt auch einen hohen Grad an symbolischer Kraft, deren man sich nicht immer bewusst ist, was man aber wahrnimmt, worauf man aufmerksam wird, jedes Mal, wenn man sie spricht. Niemand erreicht den Grad an Sprachfertigkeit in einer anderen Sprache, wie in der Muttersprache, nicht einmal jene, die in eine Gesellschaft und in Umgebungen hineingeboren werden, die traditionellerweise durch die Zweisprachigkeit gekennzeichnet sind. Der kleinste Unterschied (in der Tonlage, im Akzent, im Stil) hat die Funktion, dei Person zu identifizieren, ihre Herkunft offenzulegen, der gesellschaftliche Status, usw. In unserem Fall identifiziert die Sprache, wie die Hautfarbe oder die Merkmale im Aussehen, den Einwanderer, den "Fremden", aber zum Unterschied zur Hautfarbe, zu den äußeren Merkmalen, die Art in der eine Sprache gesprochen wird, mehr oder weniger korrekt, legt den Grad an Integration, Assimilierung, Exklusion offen. Den "guten Willen" mitzumachen, würde die Ankunftsgesellschaft sagen.

In Umgebungen, in welchen gerade Selektions- und Stratifikationsprozesse der ausländischen Bevölkerungsgruppen zwischen den Polen Exklusion / Inklusion stattfinden, nimmt die Frage nach der Kenntnis einer Sprache, das Bedürfnis eine Sprache sprechen zu können, eine ganz bestimmte Bedeutung ein: Ziel ist es, sie absolut korrekt zu sprechen. Eine nicht erreichbare Zielvorgabe. Die gesammelten Berichte, noch mehr die Dialoge in den Interviews, bestätigen, wie stark der Wunsch ist, dieses Ziel zu erreichen und wie sehr das Prinzip der Korrektheit im Fokus liegt, internalisiert wurde. Die korrekte Art zu sprechen, die korrekte Anwendung der Grammatik- und Rechtschreibregeln, die korrekte Aussprache, werden zu Metaphern der Korrektheit des Handelns, der Korrektheit im Erlernen des vorherrschenden Regelsystems, darin eingeschlossen das Regulierungssystem für die Einwanderung.

Eine Sprache schlecht zu sprechen, fehlerhafte Aussprache, die Betonungen nicht richtig setzen, werden so zu sichtbaren Zeichen für die "Andersartigkeit", die "Fremdheit", die verfehlte Integration, von Unfähigkeit, dessen sich der Einwanderer nicht nur direkt verantwortlich, sondern auch schuldig fühlt, denn die formale Voraussetzung des Besitzes eines "Zweisprachigkeitsnachweises" wird begleitet von einem großen Angebot an kostenlosen Sprachkursen. Dieses System bestärkt den Wert des "richtigen" Sprechens, und die Vorstellung, der Einwanderer sei verantwortlich in Bezug auf die Sprache des Einwanderungslandes. Das heißt, er ist verantwortlich für die richtige oder falsche Art und Weise, wie er spricht. Durch die Sprache, die sowohl eine Brücke, als auch eine Hürde darstellen kann, wird die Frage der Integration dem Einwanderer selbst wieder zur Beantwortung zurückgegeben.

Das Thema Sprache hat, so verstanden, die Stigmatisierung des Sprechenden, der die Sprache nicht richtig beherrscht, der die Grundregeln des "Richtigen Sprechens" nicht beherrscht oder sie nicht anwendet zur Folge. Wir wissen jedoch dass die Frage der Sprache auch anders behandelt werden kann, als nur von der Warte des Korrekten Erlernens aus. Wenn wir sie als Kommunikationsfähigkeit auslegen und behaupten, dass das Ziel des Erlernens der Sprache, das "Kommunizieren Können" ist, die Verantwortung (nicht nur jene der Einwanderer) im Beherrschen einer Sprache, muss als kommunikative Verantwortung verstanden werden, die den Sprechenden gleich wie den Zuhörenden betrifft. Wie schon ein großer zeitgenössischer Sprachphilosoph, Donald Davidson, gesagt hat: "Das letztendliche Ziel im Kommunikationsprozess kann nicht die Korrektheit sein, das, was wirklich zählt, ist hingegen, das Verstanden Werden, da die Sprache viele Ziele verfolgt, aber keines reicht über die gelungene Kommunikation hinaus.". In diesem Sinne, in diesem Falle würde die Aushändigung des Zweisprachigkeitsnachweises die Bedeutung einer "gelungenen Kommunikation" einnehmen und würde das Paar "Sprechender / Zuhörer" betreffen. Davon ausgehend ist es nicht schwer zu erkennen, welche Art von Sprachkurse versuchsweise angeboten werden könnten: Kurse, die sich zum Beispiel auf das "Spiel" der Kommunikation und des Verständnisses konzentrieren.

Arbeit

In Bezug auf die Arbeit konnten verschiedene kritische Punkte und Widersprüche, untereinander verknüpft, ausgemacht werden. Zuallererst kann der Druck des Arbeitsmarktes in Richtung Spezialisierungen festgestellt werden, der die ausländischen Frauen in ausschließende oder dequalifizierende Nischen zusammendrängt, abhängig von der Stratifizierung, von denen es schwer ist, wieder auszubrechen. Erschwert wird dieser kritische Punkt auch noch vom auffälligen Gefälle zwischen einfachen Arbeiten und hohem Bildungsniveau, zwischen dem Besitz von Studientiteln, die zur Ausübung ganz bestimmter Berufe befähigen würde und den effektiven Arbeiten, die ausgeführt werden.

Zweitens führen die tägliche Fragmentierung von Beziehungen und Arbeitszeiten (gleichzeitige Ausübung, zum Beispiel, der Tätigkeiten als Reinigungskraft, Bedienung, Mediatorin, usw.) und der zusätzliche Arbeitsaufwand für die Familie, zu einer Enteignung der Lebenszeit und der Zeit für sich, und vermindern die Zeit, die für die Beziehungen in der Familie benutzt werden kann. Es ist dies eine doppelte Anwesenheit, die sehr schwer wiegt, fast eine dreifache Anwesenheit bestehend aus der Arbeit - oder besser - der Arbeiten für den Arbeitsmarkt, der Arbeit für die wieder zusammengeführten Familienmitglieder, der Verpflichtung, für die im Ursprungsland gebliebenen Familienmitglieder Überweisungen zu tätigen. All diese Elemente gemeinsam stellen eine große Hürde für die Mobilität in der Arbeit dar, da keine zeit übrig bleibt, eine andere Arbeit zu suchen, oder die Kompetenzen zu erwerben, die notwendig sind, Arbeit zu wechseln.

Für diese Frauen nimmt Arbeit auf widersprüchliche Art und Weise ein Merkmal von Ambivalenz an. Auf der einen Seite stellt der Arbeitsplatz den Ort dar, in welchem die Unterbewertung geschieht, wo man entpersonalisierender Behandlung ausgesetzt wird; auf der anderen Seite stellt die Arbeit den bevorzugten Weg zur finanziellen Selbständigkeit dar, zur Annahme der Rolle des Familienoberhauptes, und dies ist auch ein Grund stolz zu sein, ein ersehntes Ziel erreicht zu haben, trotz der harten Arbeitsbedingungen, der schwer wiegenden Unterstellung, der Anstrengung. In der Verrichtung einfacher, schwerer Arbeiten, sind sie trotzdem mit ihrer Arbeit eng verbunden, weil sie die Möglichkeit zu finanzieller Selbständigkeit bietet, und sie zeugen im selben Augenblick, in dem sie unterlegen behandelt werden, eine Verbissenheit ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Folglich müssten im Bereich der Arbeitspolitik bei eventuell geplanten Einsätzen folgende Ziele verfolgt werden: Beachtung der Rechte (die Rechte in der Arbeit, das Recht auf Stabilität, da Recht auf Gesundheit der Arbeitnehmerinnen), so dass ein untergeordnetes Arbeitsverhältnis nicht in Sklaverei mündet; Karrieremöglichkeiten eröffnen, Möglichkeiten, die auch Veränderung und die Rückgabe der Hoffnungen erlauben, damit der Beginn einer würdevollen Arbeit ermöglicht wird.

Im Bereich der Weiterbildung wäre es nötig, mit unterschiedlichen Bildungsangeboten zu experimentieren. Zum Beispiel:

Die Gesundheit

Der Begriff Gesundheit beinhaltet unterschiedliche Elemente, die aber alle in die Frage des Wohlergehens / Unwohlsein eingehen. Eine erste Gruppe von Elementen betrifft die Gesundheit der Arbeitnehmerin in Bezug auf die Arbeit und der Arbeitsumgebung. Wir haben gesehen, dass die ausländischen Frauen schwere, schädliche und aufreibende Arbeiten durchführen müssen, und diese Probleme steigern sich, wenn auch noch das Arbeitsverhältnis und der Stundenplan besonders fragmentiert sind. Man braucht nur an die aufgezwungene physische Mobilität denken, die durch die starke Unterteilung der Arbeitsverhältnisse und der Arbeitszeiten im Bereich der Reinigungsarbeiten ergeben, oder an die Arbeitszeiten für Pflegerinnen und Familiengehilfen, oder an den Einfluss auf die psychische Gesundheit verursacht durch die Prekarietät in der Arbeit, in der Wohnsituation, in der Familie.

Ein weiteres Merkmal betrifft das Unbehagen aufgrund von Diskriminierungen, die aufgrund des Herkunftslandes (zum Beispiel die Albaner, die Marokkaner, die Chinesen, die neuen Ziele für Stigmatisierungen), der kulturellen und religiösen Zugehörigkeit (zum Beispiel der Islam, heutzutage wird das Moslemsein fast schon als ein Verbrechen angesehen), der Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Kategorie (der Einwanderer, der "Illegale", die allein stehende Frau, die Zugehfrau, die Saisonarbeiterin, usw.) erlitten werden. Aus den Interviews geht hervor, dass bei den Einwanderern das System der Diskriminierungen, institutionell oder indirekt, materiell oder symbolisch, im Alltag oder in den Darstellungen, wie ein schwerer Stein wiegt.

Wenn die Gesundheit wie ein wenig sichtbarer kritischer Punkt erlebt wird, so birgt er für die ausländischen Frauen viele Risikofaktoren und müsste somit eine Priorität darstellen bei der Planung der Schwerpunkte in der Sozialpolitik. Es ist wahr, dass es auf dem Territorium Ämter und Institutionen für die Gesundheit gibt, deren Aufgabe es ist, Informationsveranstaltungen und Präventionsveranstaltungen für die Erhaltung der Gesundheit der Arbeitnehmer und Arbeitslosen durchzuführen, trotzdem müssten die Weiterbildungs- oder Informationsveranstaltungen größeres Augenmerk auf diese Probleme legen. Die Berufsbildungskurse zum Beispiel müssten größeres Augenmerk werfen auf die Anwesenheit oder Nichtanwesenheit von Schadensmöglichkeiten und des Unfallrisikos im Zusammenhang, natürlich mit den dafür zuständigen Ämtern und Institutionen. Es geht hier darum, Informationen weiterzugeben durch einen Zusammenschluss zwischen zuständigen Institutionen und den Arbeitnehmern durch die Wahrnehmung der Rolle der Problemsensibilisierung sowohl in den Ausbildungskursen als auch außerhalb, anhand der Vorbereitung von mehrsprachigen Informationsbroschüren zu gesundheitlichen Problemen.

Die Wohnung, die Familie

Das Wohnungsproblem für Einwanderer ist hinlänglich bekannt, man kennt das Problem auf nationaler Ebene, auf regionaler Ebene und auch für die Provinz Bozen. Wir unterstreichen kurz die Bedeutung, welche dieses Problem für die Existenz selbst der Familie. Das Problem der Wohnung wird gleichgestellt mit der Möglichkeit selbst "als Familie zu leben", und als "Familie" anerkannt zu werden. Die Volksweisheit "kein Haus, keine Familie" trifft genau den symbolischen Wert, den der Wohnort besitzt: die Würde, die Intimität, die Gastfreundschaft. Für die Frauen liegt in der Wohnung auch der Beriech, in welchem sie ihrem ästhetischen Sinn Ausdruck verleihen können, ein Ort, der nach persönlichen Vorstellungen gestaltet werden kann, dem besondere Pflege zukommt. Die Wohnung ist auch ein Grundgut für die ledigen ausländischen Frauen, wie aus den Berichten der Krankenpflegerinnen hervorgeht. Die Würde, die Intimität, die Gastfreundlichkeit sind zentrale Grundbedürfnisse zum Wohlergehen nicht sehr unterschiedlich als für die Familien. Die Untersuchung hat ergeben, dass die ausländischen Familien in ganz unterschiedlichen Wohnstrukturen leben, und folglich wären hier differenziertere Angebote nötig und gezielte familienpolitische Maßnahmen.

Die Zeit für sich

Der Ausdruck "Zeit für sich" soll hier nicht egoistisch oder hedonistisch verstanden werden, vielmehr handelt es sich um eine zeitliche Dimension mit einem hohen gesellschaftlichen Wert. Er bezieht sich nämlich auf die Zeit für die Pflege des Selbst (die Gesundheit, die Körperpflege und die Pflege des Geistes) und auf die Zeit der Geselligkeit, die sich auf die Begegnungen in informellen Versammlungsorten beziehen, auf Freundschaftsbeziehungen, auf die freie kulturelle Betätigung. Die Zeit für sich beinhaltet auch die Zeit der Geselligkeit, das heißt die Beteiligung an Vereinen, die Schaffung und Bewahrung von sozialen Beziehungen. Diese unterschiedlichen Ausprägungen nutzen die Zeiten und die Orte der Stadt, welche spezifisch dafür projektiert, gebaut und ausgestattet werden sollten. Wo es möglich ist sich zu treffen und zu versammeln in der Öffentlichkeit und so eine legitimierte Sichtbarkeit zu erlangen. Die Frauen, aber nicht nur die ausländischen Frauen, bemerken besonders dieses Fehlen.

Die Ethnisierung, die Diskriminierung

Die Frauen sind nicht nur Opfer von Diskriminierungen, sie stellen auch aktive Individuen im Kampf gegen Rassismus und Sexismus dar. Sie haben, wie aus den Geschichten selbst hervorgeht, eigene autonome Strategien zur Überwindung und des aktiven Widerstandes gegen Diskriminierungen entwickelt. Dieses Entgegenhandeln, das auf der individuellen Ebene ausgeübt wird, sollte zuallererst innerhalb von Untersuchungs- und Entwicklungsgruppen, wo der Umgang in der Praxis und die Erfahrungen ausgetauscht und verglichen werden können, sozialisiert werden. Im weiteren sollten dieses gemeinsame Wissen und die Erkenntnisse auf individueller Ebene den Frauen wieder zurückgegeben werden und an die Entscheidungsträger weitergegeben werden, so dass es möglich wird, Strategien und politische Leitlinien darauf aufbauend auszuarbeiten. Auch mit dem Ziel, dass institutionelle Eingriffe diese Erfahrungen an täglichem Widerstand nicht verkennen, behindern oder mit ihnen gar in Konflikt treten. Im Gegenteil versuchen auf ihnen aufzubauen, und ihnen damit mehr Kraft und Legitimation erteilen.

Eine andere Ebene ist jene der Vereinstätigkeit und der Selbstorganisation, die auf einen anderen Typus von gemeinsamen Handlungsweisen gerichtet ist, die aber eine wichtige Rolle spielt, den Frauen Werkzeuge in die Hand gibt und begehbare Wege aufzeigt, in welchen sie ihre eigenen Rechte betonen, Selbstvertrauen und Wertschätzung für sich selbst erreichen können, innovative Ansätze von positiven Initiativen entwickeln können. Auf dieser Ebene zu arbeiten bedeutet, der lokalen Bevölkerung und den Ausprägungen des Gesellschaftslebens Kraft zu geben. Im Konkreten bedeutet dies, den vollen Zugang zu allen Ressourcen, deren diese Initiativen benötigen, zu garantieren (Finanzierungsmöglichkeiten, Platz in den Medien, Kulturprojekte, usw. ...). Der Einsatz in diese Richtung wird nicht nur auf ein paar Merkmale beschränkt sein, also auf die Diskriminierung der Einwanderer, sie betrifft die gesamte lokale Gesellschaft und bildet somit den Grundstein für eine interkulturelle Wirklichkeit, die es noch zu errichten gilt.

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