ATHENA
Inklusion und Exklusion von Migrantinnen in Südtirol
Abschließende Bemerkungen, kritische Bereiche und Interventionsmöglichkeiten
1. Abschließende Bemerkungen
Diese Bemerkungen sind in einem sehr synthetischen Stil, den
es noch zu verfeinern gilt, verfasst worden, vor allem deswegen,
weil die offenen Fragen am Ende dieser Untersuchung noch
vielfältig sind und genauer betrachtet werden müssen.
Es geht also hier vornehmlich nicht darum, abzuschließen,
sondern Arbeitsweisen aufzuzeigen, die noch ausgelotet werden
müssen. Aus der Analyse der Migrationsprozesse, der
gesellschaftlichen und Berufs bezogenen Rahmenbedingungen
für ausländische Frauen, der Bildungsmöglichkeiten
und der sozialen Unterstützung, sind einige Merkmale der
lokalen Gesellschaftsstruktur hervorgegangen, und zum Teil ist
auch die Position, welche die Gesellschaft in Bezug auf die
Einwanderung einnimmt. Es sind einige positive Seiten zum
Vorschein gekommen (ein dynamischer Arbeitsmarkt, eine hohe
Lebensqualität, ein gutes Funktionieren der Verwaltung, eine
geregelte und sichere Umgebung) und einige negative (die Berufs
bezogene Abschottung der autochthonen Frauen und die Ethnisierung
der Arbeit der Einwanderer; eine starke Institutionalisierung der
gesellschaftlichen Räume; eine ausgeprägte
Verschlossenheit).
Dieses "Chiaorscuro" taucht ganz klar aus den Erzählungen
der ausländischen Frauen auf, die in Südtirol einen
Kontext erkennen, der von zwei Merkmalen gekennzeichnet wird:
Sicherheit, Zweisprachigkeit. In Bezug auf das erste Merkmal
geben die ausländischen Frauen in ihren Erzählungen ein
positives Bild von Bozen und Südtirol wider, indem sie
hervorheben, dass es eine Gegend mit Regeln ist, wo die "Dinge
funktionieren", die Dienstleistungen nicht fehlen (auch wenn sie
im Augenblick des Zugangs als Ausländerinnen bezeichnet
werden), es Arbeit gibt, die Städte ordentlichen und ruhig
sind. Alles wichtige Faktoren, da es sich ja um die Einwanderung
von Frauen handelt (was die Anwesenheit von Kindern
impliziert).Was den zweiten Punkt anbelangt, so erscheint es den
ausländischen Frauen ganz klar, dass dei Zweisprachigkeit
zentral ist zum Funktionieren des lokalen Gesellschaftssystems
ist, wobei die sprachlich - gesellschaftlichen Differenzen
für sie sichtbar und spürbar sind.
Es handelt sich um zwei Elemente, die den ausländischen
Frauen als objektiv gegeben erscheinen; in den Berichten geben
sie nichts anderes als den Zustand der gesellschaftlichen
Realität wieder, in ihnen werden die Kennzeichen und
Probleme der Südtiroler Gesellschaft wie von einem Fenster
zur Welt aus gesehen. Neben der Fassade, die ihnen bei der
Ankunft präsentiert wird, erscheint nach einer genaueren
Betrachtung der Berichte, dass gesellschaftliche Ordnung und die
saubere Umwelt, das gute Funktionieren der Verwaltung, ein sehr
hohes Maß an gesellschaftlicher Normierung und
Institutionalisierung der gesellschaftlichen Bereiche mit sich
bringt. Auf diese Weise tritt hervor, dass die Landesverwaltung
wie eine ethnisierender Überbau erlebt wird, dass die
normierte Umgebung ein Gefühl des ständigen
Überwacht Seins und Geprüft Werdens mit sich bringt,
das die sprachlich - gemeinschaftliche Differenzierung mehr als
eine Ressource und ein Reichtum eher wie eine diskriminierende
Hürde wahrgenommen wird. Besonders im Hinblick auf den
letzten Punkt haben wir Schwierigkeiten zwischen den interviewten
Frauen feststellen können, weil nicht klar ist, welcher der
Weg zur Integration in eine Gesellschaft ist, in der es diese
objektiven Differenzierungserscheinungen gibt. Die
Widerspiegelung (Rückfall, Widerhall, Niederfall) dieser
Differenzierungserscheinungen auf die Einwanderung lässt die
positiven Elemente der Südtiroler Realität verblassen,
so dass auf die Einwanderer nur die Schattenseiten
übertragen werden: Soziale Kontrolle,
übermäßige Institutionalisierung und
Ethnisierung.
Zur Ethnisierung muss noch angemerkt werden, dass die
Möglichkeit besteht, dass, aufgrund der Gewohnheit der
lokalen Gesellschaft alles unter den Begriff Minderheit zu
verstehen und die geschichtlichen - sprachlichen Unterschiede zu
institutionalisieren durch die Gründung von Gemeinschaften,
die Einwanderer auch einem Prozess der Ethnisierung ausgesetzt
werden könnten - der weder in seinen Ausprägungen noch
im Ausgang vorhersehbar ist. Die Untersuchung hat, neben vielen
Ergebnissen, auch neue Fragen aufgeworfen: welcher ist der Platz
der Einwanderer innerhalb eines gesellschaftlichen
Organisationsmodells, welches auf die sprachlichen Minderheiten
und den "ethnischen Käfigen / Ghettos" gründet? Gibt es
eine öffentliche Diskussion darüber, in welche
geschichtlich - sprachliche (italienisch, deutsch, ladinisch)
Schiene sich Einwanderer einreihen, eingereiht werden? Gibt es
eine vierte Schiene für die Einwanderer? Und wenn ja, nach
welchen Kriterien wird vorgegangen?
2. Kritische Bereiche und Interventionsmöglichkeiten
Die qualitative Analyse hat die unterschiedlichen Facetten,
aus denen das tägliche Leben der ausländischen Frauen
besteht, aufgezeigt: die Arbeit, die Familie, die strukturierten
und unstrukturierten gesellschaftlichen Beziehungsnetze. Letztere
bestimmen den Bereich der Geselligkeit, der Gespräche, des
Zusammenlebens. Bei der Betrachtung im Detail wurde auch auf die
Frage der Fortbildung besonders geachtet. Der
Weiterbildungsbedarf der ausländischen Frauen besteht nicht
nur in Bezug auf die Arbeitseingliederung, sie betreffen im
Gegenteil unterschiedliche Aspekte ihres Lebens und
unterschiedliche Ebenen der Südtiroler Gesellschaft. Die
Antwort auf diesen Bedarf sollte sich dem Konzept des Empowerment
anlehnen, ausgeweitet aber vom eingeschränkten Wirkkreis der
Ausbildung von Arbeitskraft in den sozialen Bereich, einen
erweiterten Bereich. Es ist dies eine Antwort begründet auf
die Anerkennung der Person als Subjekt im Bildungsbereich, eine
Person, die in einem ständigen Bildungs- und Lernprozess
steht (lifelong learning).
Dieser Ansatz erlaubt es, Fortbildung in eine multikulturelle
Gesellschaft einzubinden und so die Effizienz zu sichern. Sie
steht weiters in engem Zusammenhang mit dem lokalen Kontext, der
sich auszeichnet durch ein breites Spektrum an Angeboten unter
dem Titel "Lebenslanges Lernen für Erwachsene",
unterstützt von der Provinz Bozen und im Besonderen von der
Stadt Bozen in Bezug auf die Einwanderer. Der Ansatz des lifelong
learning betrifft aber nur einen Teil, wenn auch wichtigen, des
methodischen Ansatzes in der Frage des Bildungsbedarfs und
unterlässt den Aspekt der Information und Meinungsbildung,
der sich öffentlich mit den Problemen der Ethnisierung und
der Diskriminierung, sowie mit generellen Fragen zu den Rechten
auseinandersetzt. Dieses Problem hat anscheinend eine starke
geschlechtsspezifische Komponente, wie die Initiative zur
Bekämpfung der Diskriminierung gegenüber Frauen (CEDAW)
betont, "es gibt Umstände in denen Diskriminierung
ausschließlich oder hauptsächlich Frauen trifft, oder
es trifft Frauen auf andere Weise als die Männer". Es sind
verschiedene Kategorien an Diskriminierung und an Personen, die
davon betroffen sind, identifiziert worden. Unter Bezugnahme auf
unsere Untersuchung, können wir sagen, dass in erster Linie
Frauen im Reinigungsbereich, allein stehende Frauen mit Kinder
und Frauen, die auf die Zusammenführung warten, davon
betroffen sind.
Das kurz dargestellte Vorgehen bei der Untersuchung hat
folgendes hervorheben wollen und vor allem können:
- die hauptsächlichen kritischen Situationen der Einwanderer, im Besonderen der Frauen;
- die bestehenden Unterschiede unter den ausländischen Frauen, unter welchen als wichtigster Punkt sich die Belastung, zwei Berufe ausüben zu müssen, für die Familie und für den Arbeitsmarkt hervorhebt. Die erwachsenen ausländischen Frauen, verheiratet, mit Kindern, finden in der aktuellen Arbeitsmarktsituation nicht nur in Südtirol, leichter eine Arbeit und liegen stärker als die Männer in der Verantwortung bei der Erwirtschaftung des Familieneinkommens.
Die kritischen Situationen und die Unterschiede weisen verschiedene Ebenen und Ausprägungen auf, die sich auch untereinander überschneiden. Einige betreffen die Einwanderer im allgemeinen, zum Beispiel die gleichzeitige Anwesenheit im Südtiroler Kontext eines institutionalisierten Integrationsmodells (mit der nötigen Transparenz versehen) und gerade deswegen selektiv und regulativ ausgerichtet mit Anteilen an Diskriminierung, andere betreffen im Speziellen ausländische Frauen. Die Untersuchung hebt hervor, dass die ausländischen Frauen in spezifischen Bereichen auf Schwierigkeiten stoßen: die Sprache, die Arbeit, die Gesundheit, die Wohnung und die Familie, die Zeit für sich selbst, die Ethnisierung und die Diskriminierung.
Die Sprache
Wir haben bereits auf den vorhergehenden Seiten gesehen, dass
die Sprache, sowohl im Allgemeinen als auch in der lokalen
untersuchten Umgebung, eine gesellschaftliche Funktion der
Selektion und der Inklusion / Exklusion einnimmt, auch dass die
Doppelbelastung in der Arbeit und die Abschottung durch die
Arbeit das Erlernen stark beeinträchtigen. Davon ausgehend
möchten wir einen Vorschlag für einen Ad Hoc Sprachkurs
für Ausländer vorstellen, den Fachkräfte
operationalisieren können. Die Kenntnis der Sprache des
Herkunftslandes stellt, wie bekannt, nicht nur ein Merkmal der
Notwendigkeit / Instrumentalisierung dar, das alle Ebenen des
Alltagslebens, Arbeitslebens, alle Beziehungsebenen durchdringt.
Sie besitzt auch einen hohen Grad an symbolischer Kraft, deren
man sich nicht immer bewusst ist, was man aber wahrnimmt, worauf
man aufmerksam wird, jedes Mal, wenn man sie spricht. Niemand
erreicht den Grad an Sprachfertigkeit in einer anderen Sprache,
wie in der Muttersprache, nicht einmal jene, die in eine
Gesellschaft und in Umgebungen hineingeboren werden, die
traditionellerweise durch die Zweisprachigkeit gekennzeichnet
sind. Der kleinste Unterschied (in der Tonlage, im Akzent, im
Stil) hat die Funktion, dei Person zu identifizieren, ihre
Herkunft offenzulegen, der gesellschaftliche Status, usw. In
unserem Fall identifiziert die Sprache, wie die Hautfarbe oder
die Merkmale im Aussehen, den Einwanderer, den "Fremden", aber
zum Unterschied zur Hautfarbe, zu den äußeren
Merkmalen, die Art in der eine Sprache gesprochen wird, mehr oder
weniger korrekt, legt den Grad an Integration, Assimilierung,
Exklusion offen. Den "guten Willen" mitzumachen, würde die
Ankunftsgesellschaft sagen.
In Umgebungen, in welchen gerade Selektions- und
Stratifikationsprozesse der ausländischen
Bevölkerungsgruppen zwischen den Polen Exklusion / Inklusion
stattfinden, nimmt die Frage nach der Kenntnis einer Sprache, das
Bedürfnis eine Sprache sprechen zu können, eine ganz
bestimmte Bedeutung ein: Ziel ist es, sie absolut korrekt zu
sprechen. Eine nicht erreichbare Zielvorgabe. Die gesammelten
Berichte, noch mehr die Dialoge in den Interviews,
bestätigen, wie stark der Wunsch ist, dieses Ziel zu
erreichen und wie sehr das Prinzip der Korrektheit im Fokus
liegt, internalisiert wurde. Die korrekte Art zu sprechen, die
korrekte Anwendung der Grammatik- und Rechtschreibregeln, die
korrekte Aussprache, werden zu Metaphern der Korrektheit des
Handelns, der Korrektheit im Erlernen des vorherrschenden
Regelsystems, darin eingeschlossen das Regulierungssystem
für die Einwanderung.
Eine Sprache schlecht zu sprechen, fehlerhafte Aussprache, die
Betonungen nicht richtig setzen, werden so zu sichtbaren Zeichen
für die "Andersartigkeit", die "Fremdheit", die verfehlte
Integration, von Unfähigkeit, dessen sich der Einwanderer
nicht nur direkt verantwortlich, sondern auch schuldig
fühlt, denn die formale Voraussetzung des Besitzes eines
"Zweisprachigkeitsnachweises" wird begleitet von einem
großen Angebot an kostenlosen Sprachkursen. Dieses System
bestärkt den Wert des "richtigen" Sprechens, und die
Vorstellung, der Einwanderer sei verantwortlich in Bezug auf die
Sprache des Einwanderungslandes. Das heißt, er ist
verantwortlich für die richtige oder falsche Art und Weise,
wie er spricht. Durch die Sprache, die sowohl eine Brücke,
als auch eine Hürde darstellen kann, wird die Frage der
Integration dem Einwanderer selbst wieder zur Beantwortung
zurückgegeben.
Das Thema Sprache hat, so verstanden, die Stigmatisierung des
Sprechenden, der die Sprache nicht richtig beherrscht, der die
Grundregeln des "Richtigen Sprechens" nicht beherrscht oder sie
nicht anwendet zur Folge. Wir wissen jedoch dass die Frage der
Sprache auch anders behandelt werden kann, als nur von der Warte
des Korrekten Erlernens aus. Wenn wir sie als
Kommunikationsfähigkeit auslegen und behaupten, dass das
Ziel des Erlernens der Sprache, das "Kommunizieren Können"
ist, die Verantwortung (nicht nur jene der Einwanderer) im
Beherrschen einer Sprache, muss als kommunikative Verantwortung
verstanden werden, die den Sprechenden gleich wie den
Zuhörenden betrifft. Wie schon ein großer
zeitgenössischer Sprachphilosoph, Donald Davidson, gesagt
hat: "Das letztendliche Ziel im Kommunikationsprozess kann nicht
die Korrektheit sein, das, was wirklich zählt, ist hingegen,
das Verstanden Werden, da die Sprache viele Ziele verfolgt, aber
keines reicht über die gelungene Kommunikation hinaus.". In
diesem Sinne, in diesem Falle würde die Aushändigung
des Zweisprachigkeitsnachweises die Bedeutung einer "gelungenen
Kommunikation" einnehmen und würde das Paar "Sprechender /
Zuhörer" betreffen. Davon ausgehend ist es nicht schwer zu
erkennen, welche Art von Sprachkurse versuchsweise angeboten
werden könnten: Kurse, die sich zum Beispiel auf das "Spiel"
der Kommunikation und des Verständnisses konzentrieren.
Arbeit
In Bezug auf die Arbeit konnten verschiedene kritische Punkte
und Widersprüche, untereinander verknüpft, ausgemacht
werden. Zuallererst kann der Druck des Arbeitsmarktes in Richtung
Spezialisierungen festgestellt werden, der die ausländischen
Frauen in ausschließende oder dequalifizierende Nischen
zusammendrängt, abhängig von der Stratifizierung, von
denen es schwer ist, wieder auszubrechen. Erschwert wird dieser
kritische Punkt auch noch vom auffälligen Gefälle
zwischen einfachen Arbeiten und hohem Bildungsniveau, zwischen
dem Besitz von Studientiteln, die zur Ausübung ganz
bestimmter Berufe befähigen würde und den effektiven
Arbeiten, die ausgeführt werden.
Zweitens führen die tägliche Fragmentierung von
Beziehungen und Arbeitszeiten (gleichzeitige Ausübung, zum
Beispiel, der Tätigkeiten als Reinigungskraft, Bedienung,
Mediatorin, usw.) und der zusätzliche Arbeitsaufwand
für die Familie, zu einer Enteignung der Lebenszeit und der
Zeit für sich, und vermindern die Zeit, die für die
Beziehungen in der Familie benutzt werden kann. Es ist dies eine
doppelte Anwesenheit, die sehr schwer wiegt, fast eine dreifache
Anwesenheit bestehend aus der Arbeit - oder besser - der Arbeiten
für den Arbeitsmarkt, der Arbeit für die wieder
zusammengeführten Familienmitglieder, der Verpflichtung,
für die im Ursprungsland gebliebenen Familienmitglieder
Überweisungen zu tätigen. All diese Elemente gemeinsam
stellen eine große Hürde für die Mobilität
in der Arbeit dar, da keine zeit übrig bleibt, eine andere
Arbeit zu suchen, oder die Kompetenzen zu erwerben, die notwendig
sind, Arbeit zu wechseln.
Für diese Frauen nimmt Arbeit auf widersprüchliche Art
und Weise ein Merkmal von Ambivalenz an. Auf der einen Seite
stellt der Arbeitsplatz den Ort dar, in welchem die
Unterbewertung geschieht, wo man entpersonalisierender Behandlung
ausgesetzt wird; auf der anderen Seite stellt die Arbeit den
bevorzugten Weg zur finanziellen Selbständigkeit dar, zur
Annahme der Rolle des Familienoberhauptes, und dies ist auch ein
Grund stolz zu sein, ein ersehntes Ziel erreicht zu haben, trotz
der harten Arbeitsbedingungen, der schwer wiegenden
Unterstellung, der Anstrengung. In der Verrichtung einfacher,
schwerer Arbeiten, sind sie trotzdem mit ihrer Arbeit eng
verbunden, weil sie die Möglichkeit zu finanzieller
Selbständigkeit bietet, und sie zeugen im selben Augenblick,
in dem sie unterlegen behandelt werden, eine Verbissenheit ihre
Lebensbedingungen zu verbessern. Folglich müssten im Bereich
der Arbeitspolitik bei eventuell geplanten Einsätzen
folgende Ziele verfolgt werden: Beachtung der Rechte (die Rechte
in der Arbeit, das Recht auf Stabilität, da Recht auf
Gesundheit der Arbeitnehmerinnen), so dass ein untergeordnetes
Arbeitsverhältnis nicht in Sklaverei mündet;
Karrieremöglichkeiten eröffnen, Möglichkeiten, die
auch Veränderung und die Rückgabe der Hoffnungen
erlauben, damit der Beginn einer würdevollen Arbeit
ermöglicht wird.
Im Bereich der Weiterbildung wäre es nötig, mit
unterschiedlichen Bildungsangeboten zu experimentieren. Zum
Beispiel:
- Kurse, welche die im Herkunftsland und in früheren Arbeitsverhältnissen erworbenen Kompetenzen aufwerten, und auch stärken. Zu diesem Zweck könnten Initiativen in Angriff genommen werden, welche die Aufwertung der Kompetenzen und eine Neuorientierung auch angesichts der Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt zum Ziel haben;
- Kurse, welche Ausbildungsschwerpunkte beinhalten, die, in Abstimmung mit den politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern im Lande, nach dem Abschluss es ermöglichen, eine Arbeit außerhalb der isolierenden Nischen annehmen zu können. Auch wenn es sich um Projekte für eine begrenzte Anzahl von Frauen handelt, so liegt ihr Wert darin, als Erfahrung der Öffnung von vielen anderen Frauen wahrgenommen zu werden, und sich im lokalen Kontext niederschlägt, Vorurteile erniedrigende Stereotypen entkräftet;
- Kurse für jene, die keine Arbeit haben oder nie gearbeitet haben.
Die Gesundheit
Der Begriff Gesundheit beinhaltet unterschiedliche Elemente,
die aber alle in die Frage des Wohlergehens / Unwohlsein
eingehen. Eine erste Gruppe von Elementen betrifft die Gesundheit
der Arbeitnehmerin in Bezug auf die Arbeit und der
Arbeitsumgebung. Wir haben gesehen, dass die ausländischen
Frauen schwere, schädliche und aufreibende Arbeiten
durchführen müssen, und diese Probleme steigern sich,
wenn auch noch das Arbeitsverhältnis und der Stundenplan
besonders fragmentiert sind. Man braucht nur an die aufgezwungene
physische Mobilität denken, die durch die starke
Unterteilung der Arbeitsverhältnisse und der Arbeitszeiten
im Bereich der Reinigungsarbeiten ergeben, oder an die
Arbeitszeiten für Pflegerinnen und Familiengehilfen, oder an
den Einfluss auf die psychische Gesundheit verursacht durch die
Prekarietät in der Arbeit, in der Wohnsituation, in der
Familie.
Ein weiteres Merkmal betrifft das Unbehagen aufgrund von
Diskriminierungen, die aufgrund des Herkunftslandes (zum Beispiel
die Albaner, die Marokkaner, die Chinesen, die neuen Ziele
für Stigmatisierungen), der kulturellen und religiösen
Zugehörigkeit (zum Beispiel der Islam, heutzutage wird das
Moslemsein fast schon als ein Verbrechen angesehen), der
Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen
Kategorie (der Einwanderer, der "Illegale", die allein stehende
Frau, die Zugehfrau, die Saisonarbeiterin, usw.) erlitten werden.
Aus den Interviews geht hervor, dass bei den Einwanderern das
System der Diskriminierungen, institutionell oder indirekt,
materiell oder symbolisch, im Alltag oder in den Darstellungen,
wie ein schwerer Stein wiegt.
Wenn die Gesundheit wie ein wenig sichtbarer kritischer Punkt
erlebt wird, so birgt er für die ausländischen Frauen
viele Risikofaktoren und müsste somit eine Priorität
darstellen bei der Planung der Schwerpunkte in der Sozialpolitik.
Es ist wahr, dass es auf dem Territorium Ämter und
Institutionen für die Gesundheit gibt, deren Aufgabe es ist,
Informationsveranstaltungen und Präventionsveranstaltungen
für die Erhaltung der Gesundheit der Arbeitnehmer und
Arbeitslosen durchzuführen, trotzdem müssten die
Weiterbildungs- oder Informationsveranstaltungen
größeres Augenmerk auf diese Probleme legen. Die
Berufsbildungskurse zum Beispiel müssten größeres
Augenmerk werfen auf die Anwesenheit oder Nichtanwesenheit von
Schadensmöglichkeiten und des Unfallrisikos im Zusammenhang,
natürlich mit den dafür zuständigen Ämtern
und Institutionen. Es geht hier darum, Informationen
weiterzugeben durch einen Zusammenschluss zwischen
zuständigen Institutionen und den Arbeitnehmern durch die
Wahrnehmung der Rolle der Problemsensibilisierung sowohl in den
Ausbildungskursen als auch außerhalb, anhand der
Vorbereitung von mehrsprachigen Informationsbroschüren zu
gesundheitlichen Problemen.
Die Wohnung, die Familie
Das Wohnungsproblem für Einwanderer ist hinlänglich bekannt, man kennt das Problem auf nationaler Ebene, auf regionaler Ebene und auch für die Provinz Bozen. Wir unterstreichen kurz die Bedeutung, welche dieses Problem für die Existenz selbst der Familie. Das Problem der Wohnung wird gleichgestellt mit der Möglichkeit selbst "als Familie zu leben", und als "Familie" anerkannt zu werden. Die Volksweisheit "kein Haus, keine Familie" trifft genau den symbolischen Wert, den der Wohnort besitzt: die Würde, die Intimität, die Gastfreundschaft. Für die Frauen liegt in der Wohnung auch der Beriech, in welchem sie ihrem ästhetischen Sinn Ausdruck verleihen können, ein Ort, der nach persönlichen Vorstellungen gestaltet werden kann, dem besondere Pflege zukommt. Die Wohnung ist auch ein Grundgut für die ledigen ausländischen Frauen, wie aus den Berichten der Krankenpflegerinnen hervorgeht. Die Würde, die Intimität, die Gastfreundlichkeit sind zentrale Grundbedürfnisse zum Wohlergehen nicht sehr unterschiedlich als für die Familien. Die Untersuchung hat ergeben, dass die ausländischen Familien in ganz unterschiedlichen Wohnstrukturen leben, und folglich wären hier differenziertere Angebote nötig und gezielte familienpolitische Maßnahmen.
Die Zeit für sich
Der Ausdruck "Zeit für sich" soll hier nicht egoistisch oder hedonistisch verstanden werden, vielmehr handelt es sich um eine zeitliche Dimension mit einem hohen gesellschaftlichen Wert. Er bezieht sich nämlich auf die Zeit für die Pflege des Selbst (die Gesundheit, die Körperpflege und die Pflege des Geistes) und auf die Zeit der Geselligkeit, die sich auf die Begegnungen in informellen Versammlungsorten beziehen, auf Freundschaftsbeziehungen, auf die freie kulturelle Betätigung. Die Zeit für sich beinhaltet auch die Zeit der Geselligkeit, das heißt die Beteiligung an Vereinen, die Schaffung und Bewahrung von sozialen Beziehungen. Diese unterschiedlichen Ausprägungen nutzen die Zeiten und die Orte der Stadt, welche spezifisch dafür projektiert, gebaut und ausgestattet werden sollten. Wo es möglich ist sich zu treffen und zu versammeln in der Öffentlichkeit und so eine legitimierte Sichtbarkeit zu erlangen. Die Frauen, aber nicht nur die ausländischen Frauen, bemerken besonders dieses Fehlen.Die Ethnisierung, die Diskriminierung
Die Frauen sind nicht nur Opfer von Diskriminierungen, sie
stellen auch aktive Individuen im Kampf gegen Rassismus und
Sexismus dar. Sie haben, wie aus den Geschichten selbst
hervorgeht, eigene autonome Strategien zur Überwindung und
des aktiven Widerstandes gegen Diskriminierungen entwickelt.
Dieses Entgegenhandeln, das auf der individuellen Ebene
ausgeübt wird, sollte zuallererst innerhalb von
Untersuchungs- und Entwicklungsgruppen, wo der Umgang in der
Praxis und die Erfahrungen ausgetauscht und verglichen werden
können, sozialisiert werden. Im weiteren sollten dieses
gemeinsame Wissen und die Erkenntnisse auf individueller Ebene
den Frauen wieder zurückgegeben werden und an die
Entscheidungsträger weitergegeben werden, so dass es
möglich wird, Strategien und politische Leitlinien darauf
aufbauend auszuarbeiten. Auch mit dem Ziel, dass institutionelle
Eingriffe diese Erfahrungen an täglichem Widerstand nicht
verkennen, behindern oder mit ihnen gar in Konflikt treten. Im
Gegenteil versuchen auf ihnen aufzubauen, und ihnen damit mehr
Kraft und Legitimation erteilen.
Eine andere Ebene ist jene der Vereinstätigkeit und der
Selbstorganisation, die auf einen anderen Typus von gemeinsamen
Handlungsweisen gerichtet ist, die aber eine wichtige Rolle
spielt, den Frauen Werkzeuge in die Hand gibt und begehbare Wege
aufzeigt, in welchen sie ihre eigenen Rechte betonen,
Selbstvertrauen und Wertschätzung für sich selbst
erreichen können, innovative Ansätze von positiven
Initiativen entwickeln können. Auf dieser Ebene zu arbeiten
bedeutet, der lokalen Bevölkerung und den Ausprägungen
des Gesellschaftslebens Kraft zu geben. Im Konkreten bedeutet
dies, den vollen Zugang zu allen Ressourcen, deren diese
Initiativen benötigen, zu garantieren
(Finanzierungsmöglichkeiten, Platz in den Medien,
Kulturprojekte, usw. ...). Der Einsatz in diese Richtung wird
nicht nur auf ein paar Merkmale beschränkt sein, also auf
die Diskriminierung der Einwanderer, sie betrifft die gesamte
lokale Gesellschaft und bildet somit den Grundstein für eine
interkulturelle Wirklichkeit, die es noch zu errichten gilt.
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